Seit mehr als sieben Jahren habe ich einen Plan: Ich reise nach Afrika. Erste Version: Nach der Matura mache ich einen Ausland-aufenthalt. Doch nach der Matura war das Leben schön und Afrika weit weg. Zweiter Plan: Wenn mein Bruder Matura macht mache ich gerade meinen Bachelor-abschluss, also können wir zusammen nach Afrika. Zuerst haben sich sowohl mein Abschluss wie auch seiner verzögert, aber immerhin beides ungefährt gleichermassen. Aber nach der Matura findet mein Bruder das Leben schön und Afrika ist weit weg. Und ich? Ich konnte trotz aller schöner Pläne kaum den Mut zusammenbringen, wirklich ins Flugzeug zu steigen. Nicht nur, weil ich Flugangst habe, sondern vielmehr weil Afrika immer noch sehr weit weg ist. Und das meine ich nicht nur in Kilometern.
Fast fünf Jahre lang habe ich Ethnologie studiert. Schwerpunkt: Afrika. Ich habe die Namen etlicher ethnischen Gruppen auswendig gelernt, habe ihre Bräuche, ihre soziale Organisation, ihre Kunst und ihren Alltag studiert. Habe Bücher gelesen, Filme gesehen, und vielen vielen Dozenten zugehört, die von ihren persönlichen Erfahrungen berichteten. Und mit jedem Tropfen Wissen, wuchs die Faszination. Und die Angst. Die Angst, sich dieser total fremden Welt wirklich auszusetzen – und ihr vielleicht nicht gewachsen zu sein. Aber auf der anderen Seite: Darf es wahr sein, dass ich Afrika als Schwerpunkt in meinem Studium bezeichne, ohne je dort gewesen zu sein? Nein!
Also ging die Suche nach der “besten” Form los, die Reise zu verwirklichen. Ein Praktikum wäre toll, um einen “wirklichen” Einblick zu gewinnen, nicht nur als Tourist rumzureisen. Aber ein Praktikum verlangt auch, sich noch intensiver mit der Kultur auseinanderzusetzen und sich – in den allermeisten Fällen – für längere Zeit zu verpflichten. Natürlich gäbe es auch Möglichkeiten in der Entwicklungshilfe, bei einem roten Kreuz, oder sogar über “Vitamin B”. Doch sind solche Organisationen am intensivsten dort tätig, wo das Leid am grössten ist – und damit der Kulturschock am grössten. Muss ich mir das antun?
Ihr seht: Irgendwie standen mir ständig meine Zweifel im Wege.
Bis ich ganz zufällig über eine Bekannte von deren Bekannten erfuhr – welche mittlerweile auch meine Bekannte ist – die in der Republik Zentralafrika ein Waisenhaus aufbauen will.
Quasi Hals über Kopf hat sich ergeben, dass ich mitfliegen darf, wenn sie das nächste Mal “ihre” Kinder besucht. Und ehe ichs mich versah hatte ich eine Reise gebucht. Vom 25. Mai bis 2. Juni 2011 fliege ich nach Afrika.
Nur eine Woche? Ja, nur eine Woche. Aber immerhin. Ich fliege nach Afrika. Und ich habe mir schon eine Hintertür eingebaut: Wenn mir der “Kulturschock” gefällt, kann ich diese Bekannte nicht nur noch öfter begleiten, sondern im Lauf meiner Ausbildung in den kommenden 3 Jahren auch ein 5-wöchiges Praktikum in Afrika absolvieren. Und wenns mir nicht gefällt? Dann kann ich immerhin sagen: Ich war in Afrika.

Verfasst von Kim 
